Wird Marlowe surreal?

Ein Gedanke zu “Wird Marlowe surreal?”

  1. braunbuch
    DIE ENTNAZIFIZIERUNG DEUTSCHLANDS, DIE KEINE WAR.

    Beim Schreiben der Kurzgeschichte ‚Wird Marlowe surreal?‘ kam mir die Assoziation, wie die Nazis mit den Juden umgegangen sind. Zahlreiche Menschen wurden schon früh gedemütigt, indem sie ihre Unternehmen Ariern verkaufen mussten.

    Billy Joel berichtet über Josef Neckermann: „Er hatte seine Firma von meinem Großvater Karl Joel übernommen. Er zahlte so gut wie gar nichts dafür – Karl hatte noch Glück, dass er mit dem Leben davonkam.“ Dann die Kristallnacht. Nach den grausamen Taten mussten die jüdischen Menschen den Schaden selbst bezahlen. Das was vor dem Holocaust.

    Die Kurzgeschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, thematisiert Praktiken im Internetgeschäft. Damals wie heute wurden Verbrechen nicht geahndet oder geduldet beziehungsweise waren die kriminellen Machenschaften Teil des Faschismus.

    ****

    Wenn man eine Geschichte geschrieben hat, wirkt sie nach; eigentlich beginnt dann ihre Lebendigkeit auf einer anderen Ebene. Mich bewegte die Frage, wie es zu undemokratischen Verhältnissen nach dem Faschismus kam – und erinnerte mich daran, dass die Entnazifizierung eine Farce war.

    Es wird leichter sein, dachte ich intuitiv, Pastoren gegen den Faschismus während der Nazizeit ausfindig zu machen als Pastoren, die von der Kanzel über die Renazifizierung Westdeutschlands gesprochen haben.

    Es ist an der Zeit, wieder einmal genau hinzuschauen, was in den Anfängen nach dem Krieg geschah. Äußerst aufschlussreich ist immer noch der Klassiker BRAUNBUCH von Albert Norden. Der Historiker Götz Aly kommentiert das Werk positiv.

    „Der Haupteinwand, der heute gegen das Braunbuch erhoben werden kann, besteht darin, dass es zu wenige Namen nannte. Eben wegen der kompakten Fülle angesehener westdeutscher Adressen erweckte es ungewollt auch die Illusion, alle Nichtgenannten hätten mit dem Nationalsozialismus nichts oder nur wenig zu tun gehabt. Davon konnte keine Rede sein, wie die Forschungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen.“

    Aus dem Inhaltsverzeichnis: Die Rüstungsmonopole erneut am Hebel der Macht | Gestapo, SS und SD in Staat und Wirtschaft | Die Auferstehung der Terrorjustiz | Hitlers Generalstab kommandiert die Bonner Armee u.v.a.m.

    Postscript

    Wenn Du Menschen kennst, die nach dem Krieg antifaschistisch aktiv waren und als Zeitzeugen befragt werden können, solltest Du es unbedingt tun. Vielleicht hast Du auch Erinnerungen an Deine Eltern oder Großeltern. Eventuell gibt es Tagebücher aus den Jahren 1945 bis 1956. Die KPD wurde übrigens en passant 1956 verboten.

    https://web.archive.org/web/20101119233343/http://braunbuch.de/index.shtml

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