Bedürfnisse

Ein Gedanke zu “Bedürfnisse”

  1. Die Nichtzusammenarbeit mit dem Schlechten gehört ebenso zu unseren Pflichten wie die Zusammenarbeit mit dem Guten. {Mahatma Gandhi}

    Was in dieser Welt verkörpert das Schlechte? Was mag das Gute sein? Als ich siebenundzwanzig Jahre alt war, dachte, daß ich es wüßte. Aber ich wußte nicht, daß sich ein Teufel nicht mit dem Beelzebub austreiben läßt.

    Heute könnten wir uns mit Harry Potter über eine Welt der Liebe unterhalten und wir würden ohne Diskussion zustimmen, daß es einen Lord Voldemort gibt. Wir könnten ebenso stundenlang Aang, Katara, Socca und Toph anschauen, ohne in Frage zu stellen, daß es eine Feuernation geben könnte. Aangs Lösung dürfte alle Freunde des Luftbändigers überrascht haben; eine Lösung ohne Haß, der Gegner wird festgesetzt und nicht entmenschlicht.

    Wer über den Faschismus redet, kommt nicht umhin, das kommunistische Modell zu verwerfen. Beide Systeme verkörpern das Schlechte und das Böse, das Lieblose und den Haß. Als die Mauer gebaut und der Prager Frühling mit Panzergewalt erstickt wurde, war es eindeutig, daß dort keine Liebe regiert. Als Ersatzmodell fungierten für mich das chinesische und das albanische Staatssystem; trotzige Folge des Vietnam-Kriegs und des CIA-Putsches in Chile.

    Kapitalismus gleich Imperialismus, innewohnend Faschismus und Krieg. Die Sowjetunion hatte sich in meinen Augen erst nach Stalins Tod zum Staatskapitalismus degeneriert. Dachte ich.

    Eine ausführliche Beschäftigung mit der angeblich so ruhmreichen Sowjetunion führte zu beschämenden Erkenntnissen. Das Wissen um den Hitler-Stalin-Pakt erschütterte meine ideologische Festigkeit als junger Kommunist. Irgendwo im Hinterkopf arbeitete es, und doch war es nicht einfach, mit den Morden in Katyn umzugehen. Die Menschen in Warschau starben etliche Tode, nicht nur den Tod durch die faschistische Wehrmacht, auch den Tod durch die Rote Armee, die nicht bereit war, dem polnischen Volk zur Hilfe zu eilen.

    Das Schlechte und das Böse bekommen andere Aspekte, wenn du es mit den Augen einer polnischen Freundin siehst. Ihre Augen sahen besser als meine, und ich brauchte lange, um mit dem Herzen das zu sehen, was Anna aus Bialystok sah.

    Wenn ich um Wilhelm Reich weiß, – das ist der Mann, der einstmals Kommunist war, dessen Arbeit jedoch von der KPD diskreditiert wurde -, dann fällt es mir nicht schwer, die Möglichkeiten zu erahnen, wenn wir in Liebe und Verantwortung miteinander leben und arbeiten wollen. Ich kann die politischen Dimensionen von links und rechts nicht auflösen, doch ich kann aufhören, meinen kommunistischen Ansichten als lebendiges Museum frohlockend zu betrachten. Ich kann ein neues Leben beginnen, mit Menschen, die ich mag, ohne zu stacheln, ohne Mißtrauen zu säen, ohne zu diskreditieren.

    Nur meine Lösung ist nicht kompatibel mit dem allgemeinen politischen Verständnis. Es mag eine kleine Parallelweg sein, etwas Utopisches, ein archaisches Zukunftsmodell. Und doch scheint es grundsätzlich möglich zu sein, wenn ich an die Lebensgemeinschaft in Tamera (Portugal) denke. Noch war ich nicht da, und ich weiß auch nicht, ob ich dahin wandern werde.

    Mir dreht es sich um meine Redlichkeit, um die meiner Freunde und um Menschen in meiner Region. Wenn sich hier eine kleine Gemeinschaft gründen ließe, ach wäre das schön. Solange das nicht der Fall ist, werde ich in meinem Leben, wie es jetzt ist, darauf achten, freundlich mit allen Menschen zu kommunizieren.

    Ab heute enthalte ich mich meiner Stimme ob die großen Zusammenhänge und Diskussionen im Internet. Das Virtuelle ist (für mich) nicht geeignet, um Frieden zu stiften. Anregen ja, aber nicht polarisieren.

    Alles, was gesagt werden mußte, habe ich gesagt. Von jetzt an ist es besser wie eine Rose zu schweigen.

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